30. Januar 1933 - 30. Januar 2012
Mahnwache am 30. Januar 2012 um 18.00 Uhr
Um diesen Forderungen Ausdruck zu verleihen, ruft der Solinger Appell mit
Unterstützung der VVN / BdA und bleiberecht.com auf Mahnwache
Montag, 30. Januar 2012, um 18.00 Uhr
Solingen Innenstadt ,Hauptstr. /Ecke Kasinostr. (vor Kaufhof)
ViSdP: Solinger Appell - Forum gegen Krieg und Rassismus, F. Knoche,
Klemens-Horn-Str. 3a, 42655 Solingen
Vor 79 Jahren, am 30 Januar 1933, kamen im damaligen Deutschland mit Adolf
Hitler die Nazis an die Macht. Die bürgerlich-konservativen Parteien
tolerierten und unterstützten diese Machtübertragung weitgehend. Ihre
Angst vor den Linken war um ein vielfaches größer als die vor den
Faschist_innen. Der Widerstand der Arbeiterbewegung konnte die
nationalsozialistische Diktatur nicht verhindern, weil die führenden
Linksparteien sich feindlich gegenüberstanden und nicht gemeinsam
handelten. Am 30. Januar 2012 wollen wir den Opfern von Faschismus und Krieg
gedenken und die Lehren aus diesem größten Menschheitsverbrechen der
Geschichte ziehen. Eine dieser Lehren ist gerade für Deutschland, dass die
Gleichsetzung von Links und Rechts, die Totalitarismus-Theorie, im Prinzip eine
Verharmlosung des Rechtsextremismus darstellt. Wenn zum Beispiel gerade jetzt,
wo es um die entschlossene Bekämpfung des Rechtsterrorismus geht, eine
konservative Regierungspartei fordert, dass ein Verbotsantrag für die
Linkspartei geprüft werden soll, dann offenbart das eben diese
Unfähigkeit aus der Geschichte zu lernen. Seit 1990 gab es in diesem Land
mehr als 150 von Rechtsextremist_innen zu verantwortende Morde. Die
jüngsten Erkenntnisse über die Morde des
„Nationalsozialistischen Untergrund“, dass mit Wissen staatlicher
Organe der Rechtsterrorismus geleugnet, verharmlost und gedeckt wurde,
erschüttert die Gesellschaft. Seit Jahren aktive Antifaschist_innen sind
diesbezüglich weniger überrascht. Auch in Solingen gab es immer wieder
Hinweise auf eine solche Kumpanei. Der Verfassungsschutzagent Bernd Schmidt
organisierte als Leiter seiner Kampfsportschule eine rechtsextreme Szene, die
aus eigener Kraft heraus nie eine solch beachtliche Stärke erreicht
hätte. Mehrere Mitglieder seiner Kampfsportgruppe gehörten zu den
verurteilten Tätern beim Solinger Brandanschlag. Obwohl der sogenannte
Staatsschutz über Schmidt vollumfänglich über die Naziszene in
Solingen informiert war, wurde bis zum Brandanschlag die Existenz einer
nennenswerten Nazistruktur abgestritten oder verharmlost. Der Solinger
„Heil“-praktiker Wolfgang Frenz bezog als führendes
NPD-Mitglied drei Jahrzehnte lang insgesamt Honorare von mindestens 400 000 Mark
vom sogenannten Verfassungsschutz. Unter anderen an ihm scheiterte der
NPD-Verbotsantrag vor dem Bundesverfassungsgericht. Nach seiner verspäteten
„Abschaltung“ erhielt er von seinem Verfassungsschutzvertrauensmann
noch eine Abfindung von 10 000 DM und eine Pistole vom Typ Walther PPK, um sich
vor ‚linksextremistischen Anschlägen zu schützen’, obwohl
der gemeingefährliche Naziextremist als Hobbyjäger, in seinem Haus am
Höhscheider Weg, über ein erhebliches Waffenarsenal verfügte, was
nie kontrolliert oder gar eingezogen wurde. Skandalös war auch, dass
oberste Repräsentanten dieser Stadt dem Volksverhetzer und Auschwitzleugner
Kissel zu seinem Geburtstag die Ehre erwiesen. Auch die Verteidigung des
Kriegsverbrechers und Hitlersteigbügelhalter Hindenburg als aufrechten
Demokraten durch prominente Solinger CDUMitglieder - unter ihnen sogar ein
Beamter des Bundesamtes für Verfassungsschutz - spricht für sich.Die
jüngste Verharmlosung der Nazi-Übergriffe in Wuppertal durch die
örtliche Polizeiführung lässt sich nahtlos in die Kette der
systematischen und wohlwollenden Unterschätzung rechtsextremistischer
Aktivitäten einordnen. Mit unserem Gedenken anlässlich dieses
Jahrestages der Machtübertragung von 1933 verbinden wir die Forderung, dass
die NPD und andere volksverhetzende Organisationen endlich verboten werden. Wir
erinnern an den Artikel 139 des Grundgesetzes, wonach die zur „Befreiung
des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus“ erlassenen
Rechtsvorschriften nach wie vor gelten. Wenn Staats-, Verfassungsschutz,
politische Polizei und Geheimdienste nicht demokratisch kontrolliert und
reformiert werden können, um der Verpflichtung zur Verteidigung der
Demokratie gegen Faschismus, Rassismus und Militarismus nachzukommen, dann
müssen diese Organisationen auch grundsätzlich in Frage gestellt
werden. Die Nazi-V-Leute müssen sofort und ohne Abfindungen entpflichtet
werden. Wir fordern die Verantwortlichen in dieser Stadt auf, aus der bisherigen
Unterschätzung und Verharmlosung des Rechtsextremismus endlich Konsequenzen
zu ziehen und - wie die aktiven Antifaschist_innen - mit Taten des zivilen und
gewaltlosen Widerstandes gegen die rechten Volksverhetzer vorzugehen, anstatt
diese nur verbal, in der Regel im krampfhaft konstruierten
Rechts/Links-Gleichsetzungs-Ritual, zu verurteilen.
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!