19. April 2016 – „In letzter Minute“ – Buchvorstellung

Lieselotte Bhatia • Stephan Stracke

In letzter Minute

Nationalsozialistische Endphasenverbrechen im Bergischen Land 

 

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Die Buchvorstellung fand am Dienstag 19. April 2016, 19:00 Uhr im Initiativencafé, Klemens-Horn-Straße 3, 42655 Solingen statt.

 

Nicht nur Stephan Stracke war anwesend, auch Lieselotte Bhatia und Peter Fey teilten uns Ihre Erfahrungen über die Arbeit an dem Buch mit.   Teilweise waren die Schilderungen des Erlebten sehr emotional und bewegend. Auch die anschließende Diskussion wurde sachlich aber auch emotional geführt.  

 

Die Veranstaltung war mit etwa 30 Interessierten sehr gut besucht.

Nochmals recht herzlichen Dank an die Autoren für Ihren Besuch in Solingen.

 

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Im November 2015 erschien der 14. Band unserer Buchreihe „Verfolgung und Widerstand“.

 

Der Band berichtet 70 Jahre nach Kriegsende über die nationalsozialistischen Endphasenverbrechen in unserer Region. „In letzter Minute“ wird im gut sortierten Buchhandel erhältlich sein.   Noch „In letzter Minute“ tötete ein Heckenschütze am Tag der Befreiung Wuppertals einen amerikanischen Soldaten in der Nähe des Berliner Platzes. Der Name des amerikanischen Soldaten, der so tragisch den Tod in Wuppertal fand, ist nicht bekannt. Wenig bekannt sind auch die Tötungen deutscher Soldaten, die noch im letzten Moment bevor der Frieden ausbrach, auf Erbslöh als Deserteure ihr Leben verloren.   Hauptschwerpunkt des im De Noantri Verlag erschienenen Buches und der Veranstaltungen zur Buchvorstellungen sind die Massaker im Burgholz und am Wenzelnberg.

 

Historisch-politische Bildungsarbeit Und Anregung für Geschichtsinteressierte, GeschichtsaktivistInnen und HistorikerInnen  

 

Darüber hinaus soll das Buch auch für die historische-politische Bildungsarbeit nutzbar sein. Wir haben einige wichtige Dokumente zu den Massakern zusammengestellt und mit kleinen Arbeitsaufträgen versehen, die wir ausdrücklich als Diskussionsanregung verstehen.   Insgesamt soll das Buch von Liselotte Bhatia und Stephan Stracke für HistorikerInnen, Geschichtsinteressierte und GeschichtsaktivistInnen auch eine Anregung sein, in neuen Projekten vor Ort zu graben und z.B. die Geschichte(n) der NS-Täter aus Polizei und Justiz und die Strukturen der regionalen Polizeibehörden, der Gefängnisse und Zuchthäuser zu erforschen und zu dokumentieren.   Und die AutorInnen wünschen sich, dass die dabei gewonnenen Erkenntnisse auch in eine lebendige Gedenk- und Erinnerungsarbeit einfließen werden.

 

Das Massaker am Wenzelnberg  

 

Am Wenzelnberg in Langenfeld wurden 71 Gefangene aus dem Zuchthaus Lüttringhausen, aus dem Gefängnis Wuppertal-Bendahl und aus dem Polizeigefängnis Wuppertal von Angehörigen der Gestapo, Kripo und der Schutzpolizei ermordet.   An Hand neuer Archivfund und aktualisierter Fragestellung rekonstruiert Stephan Stracke die Ereignisse um das Massaker an der Wenzelnbergschlucht, fragt nach Ausbleiben der Strafverfolgung und informiert über Lebensgeschichten der (vergessenen) Opfer und Täter.   Bei der Recherche gab es handfeste Überraschungen: So wird zum ersten Mal die Geschichte einer skandalösen Strafvermeidung erzählt; keiner der Täter vom Wenzelnberg wurde jemals bestraft. Auch der Lebens- und Fluchtweg des angeblichen Haupttäters Theodor Goecke  konnte erhellt werden. Darüber hinaus wird über den Zuchthausdirektor Karl Engelhardt berichtet, der politische Gefangene vor der Tötung am Wenzelnberg schützte und gleichzeitig sog. „kriminelle“ aber auch politische Gefangene dem Mordkommando der Polizei auslieferte. Zudem wird die umkämpfte Geschichte der Wenzelnberg-Gedenkfeier thematisiert.   Peter Fey steuerte schließlich ein Lebensbild seines am Wenzelnberg ermordeten Großonkels Adolf Führer bei. Dieser hatte in einem Interview einer niederländischen Zeitung von den menschen verachtenden Zuständen in deutschen Konzentrationslagern berichtet. Dafür wurde er wegen sog, Volksverrates vom Volksgerichtshof zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

De Noantri Verlag – ISBN: 978-3-943643-03-9 – 320 Seiten – 18,00 €